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Die Magie von Wölfen und Winter in einer Anthologie. Fantastische, spannende und magische Geschichten von 14 Autoren aus ganz Deutschland.

Meine Geschichte erzählt von Sonny, der nicht der Sohn des Paten ist und etwas sehr wichtiges über das Leben lernt.

Wolfsweisheiten

Seine erste Schicht trat Sonny zwei Wochen später an. Es war der Montag nach dem zweiten Advent. Es hätte schneien können, weihnachtlich sein sollen. Stattdessen gab sich der Himmel pechschwarz, und passend zu Sonnys Laune goss es aus Kübeln.

Er versteckte sein Gesicht unter der Kapuze des Pullis. Der Stoff des Sweatshirts war vollgesogen und es tropfte daraus auf seine Nase. Aus den Pfützen zog das dreckige Wasser in die Turnschuhe hoch und tränkte die Socken. Mick schlug ihm auf die Schulter.

»Du packst das schon, Kumpel. Wir treffen uns um Fünf am Bolzplatz. Okay?«

Das Pro­jekt STEAMPUNK-CHRONIKEN hat das Ziel, Steampunk-Geschichten abseits der eta­blier­ten Publi­kums­ver­lage zu ver­öf­fent­li­chen. Es geht um Auto­ren, um Leser, um Ver­öf­fent­li­chun­gen und um eBooks. Und selbst­ver­ständ­lich geht es auch um span­nen­den Lesestoff.

In der Ausschreibung wur­den für den zwei­ten Band der STEAMPUNK-CHRONIKEN Kurz­ge­schich­ten aus dem Genre Steam­punk gesucht. Der The­men­schwer­punkt liegt auf Gaslicht. Es sollten klas­si­sche vik­to­ria­ni­sche Gru­selg­schich­ten mit Steam­punk verbunden werden. Daraus wurden zwei Bände, meine Geschichte wurde für die Ausgabe "Mechanische Geister" ausgewählt.

Das freut mich besonders, denn durch die Veröffentlichung unter einer freien Lizenz ist diese Geschichte nun allen Interessierten kostenlos zugänglich. Man darf etwas bezahlen, man muss nicht!

Mechanische Geister

Mary sperrte die Haustür auf und unterdrückte mit aufgerissenen Augen einen Schrei des Entsetzens. Beim Versuch, der Tochter mit dem ausladenden Kleid die Sicht zu versperren, fielen ihr die Einkäufe klirrend zu Boden. Joseph kauerte im Schaukelstuhl vor dem Kamin. Neben ihm stand der deckenhohe Weihnachtsbaum. Das Feuer prasselte und die Flammen ließen den üppigen Baumschmuck glitzern. Splitter der gläsernen Baumspitze lagen verstreut. Joseph stützte die Ellbogen auf die Knie und verdeckte das Gesicht mi den Händen. Zwischen den Fingern quoll Blut aus einer Wunde an der Wange hervor.

Die folgende Geschichte ist meine erste und mir aus verschiedenen Gründen besonders wichtig. Weil sie mir, obwohl sie alt ist, bis heute gut gefällt, teile ich sie gern:

Ein ganz frisch gegründeter Verlag direkt aus meiner Nachbarschaft schrieb eine Fantasy-Anthologie ohne Thema aus. Eigentlich mag ich lieber thematisch eng vorgegebene Geschichten, aber trotzdem schickte ich etwas ein und offensichtlich passte die Geschichte, denn sie wurde ausgewählt. Es ist Steampunk, allerdings Dark Fantasy, also düster und mit Anflügen von Horror.

1851 wird Iowa, aus bis heute unerklärlichen Gründen, von dauernden Regenfällen in eine der schrecklichsten Fluten aller Zeiten geschwemmt. Es wird erzählt, welche furchtbaren Ereignisse sich im beschaulichen Maisstaat abspielen, während vier Bewohner der Stadt Des Moines Hilfe aus St. Louis holen.
Olivia, die Tochter eines Retters, bleibt mit ihrem Baby auf dem heimischen Hof zurück. Dort gerät sie zwischen die Fronten eines jahrhundertealten Kriegs. Die Gegner sind zwei indianische Götter:
Masa’u, ein übergroßer Feuer speiender Adler und Palokom, die Schlangengöttin, die aus Wasser besteht.

Beyond Affinity: Drachenlicht, 05/2014, ISBN 978-3945069035

Olivia stutzte. Mitten auf dem Boden des Stalls stand ein Pokal. Der Kelch aus feinstem Kristall gehörte nicht dort hin. Er wirkte abstrus falsch. Sein kristallklares Glitzern auf dem schmutzigen Holz schrie den Fehler förmlich heraus. Olivias Atem wurde flacher und schneller, als sie die Ecken der Ebene nach ungebetenen Besuchern absuchte. Jemand musste den Becher hierher gebracht haben. Ihre Muskeln spannten sich, als es hinter einem Pfosten raschelte.

Eine Ausschreibung, zu der man "Kürzestgeschichten" einsenden sollte. Ich fand die Aufgabe sehr interessant - mit sehr wenig Platz eine Handlung und Emotionen zu transportieren passte zu einer Schreibaufgabe, also begab ich mich in ein neues Genre.

Das Thema der Ausschreibung war Nanowelten, und wo würde sich das besser darstellen lassen, als im Science Fiction. Und so skizziere ich die Risiken im Umgang mit Nanoteilchen auf meine ganz eigene Art - in einem Science-Fiction Krimi.

Phantastische Bibliothek Wetzlar, Nanowelten, 09/2013

Ich erstarre zu Eis. Eigentlich würde ich das Buch gern weglegen, doch ich bringe es nicht fertig. Zitternd bleibe ich deshalb im Gartenpavillon stehen. Vielleicht ist es harmlos. Vielleicht pflückt er eine der Mirabellen und schneidet sie für mich auf.
Er schneidet tatsächlich. Leider keine Mirabelle.

Es gab einen Wettbewerb mit einem sehr politischen Thema. Ich hatte noch nie Gegenwartstexte verfasst, aber das Thema sprang mich an und so habe ich mich versucht. Eine Begebenheit in einer vollüberwachten Zukunft, bei der uns die Ereignisse möglicherweise schon so weit eingeholt haben, dass all die Dinge, die ich da beschreibe auch wirklich passieren. Erschreckend!

Jedenfalls errang die Geschichte einen Preis. Leider ist bis heute die Publikation im Verlag Buch und Netz nicht erschienen, aber die Geschichte kann auf der Veranstalterseite gelesen werden.

11. Platz beim Geschichtenwettbewerb zur Vorratsdatenspeicherung

Das Schrillen der Türklingel zerrte Michael gewaltsam aus den Träumen. Irritiert sah er zum Wecker auf dem Nachttisch. Erst kurz vor Mittag. Dreckspostbote! Er drehte sich um, sank zurück in die Kissen, aber das Klingeln hörte nicht auf. Im Gegenteil, es wurde beharrlicher. Gerade, als Michael langsam verstand, dass es wohl doch nicht die Post war, klopfte es an der Wohnungstür.

„Herr Seidler. Hier ist die Polizei. Bitte öffnen Sie die Tür.“

Mein erster Auftritt in einer Anthologie. Was habe ich gekämpft! Diese Kurzgeschichte hat insgesamt über 100 Arbeitsstunden verschlungen. Sie war geschrieben, dann bekam sie einen neuen Handlungsstrang, dann wurde alles umgestellt und ergänzt und am Ende war sie völlig verworren und gefühlt unentschlossen zwischen verschiedenen Handlungsbereichen. Allerdings habe ich beschlossen sie einzusenden, weil so viel Arbeit drin steckte. Eigentlich hatte ich mir keinen Erfolg erhofft, auch weil über 200 Beiträge eingingen.

Dann kam die Zusage der Verlegerin. "Herrlich chaotisch", schrieb sie. Und das ist die Geschichte! Sie ist lustig, chaotisch und erzählt vom Kobold, in dessen Zauberkeller ein Feuer ausbricht.

Mondwolf: Funken, Flammen, Feuerzungen, 11/2012, ISBN 978-3950300253

Zischend verdampfte der Trank zu hellgelbem Rauch. Er zog durch den Kamin in die Küche, ein Stockwerk höher, waberte zum Küchentisch, vorbei an geschnittenem Porree, Sellerie und Möhren, bis er ein gerupftes, ausgenommenes Suppenhuhn berührte. Dieses erhob sich und begann auf der Arbeitsfläche nach Körnern zu picken. Dabei ignorierte es standhaft die Tatsache, dass es keinen Kopf mehr besaß.

Die Science-Fiction im Mirabellensommer hat mir Riesenspaß gemacht, so dass ich direkt danach erneut dieses Genre ausprobiert habe. Dieses Mal mit etwas mehr Platz und einer längeren Geschichte. Aus meinem Erfahrungsschatz heraus schrieb ich eine Geschichte über einen Hund in der Zukunft, die thematisch sehr gut zur Ausschreibung "Roboterliebe" passte. Sie schaffte es in die Anthologie und ich genoss die Tatsache, dass ich ein wenig vom Sachtext mit meiner kynologischen Schreiberei verbinden konnte.

Saphir im Stahl: Roboterliebe, 12/2013, ISBN 978-3943948189

Ich springe durch den Park und freue mich. Alles riecht so gut! Die Bäume duften nach Frühling, die Zweibeiner riechen verliebt. Die Sonne scheint auf mein gelocktes Fell. Übermütig werfe ich den Oberkörper nach unten und fordere einen Abfallkorb zum Spielen auf, doch leider spielt er nicht mit. Aber ein aufregender Geruch weht mir daraus entgegen. Ich stelle mich auf die Hinterbeine, um hineinzusehen. Ein weggeworfenes Sandwich. Thunfisch! Thunfisch macht mich total verrückt. Ich muss den Thunfisch unbedingt bekommen, aber ich komme nicht ganz heran.
Ich stecke gerade mit dem Kopf im Müll, als sich etwas abrupt verändert.

Meine erste belletristische Veröffentlichung erschien im Magazin "Neues aus der Anderwelt". Leider ist das Magazin heute nicht mehr erhältlich. Die Steampunk-Geschichte zeigt eine Szene in einer Schule und den Wettstreit der Kinder um die herausragendste Erfindung. In dieser Geschichte wollte ich nicht nur Dampf, obwohl er vorkommt, sondern einen Schwerpunkt beim "Punk". Es geht um die ungezähmte Kreativität, die die Zeit geprägt hat.

Wer die Geschichte gelesen hat, weiß nun, warum "Stolz und Vorururteil" von Jane Austen so ein unglaublicher Erfolg werden musste!

Neues aus der Anderwelt, Nr. 38, Ausgabe 02/2012, August 2012 (leider nicht mehr erhältlich)

Sein Blick fiel auf den Pokal, um den heute gekämpft wurde. Reines Silber mit verschnörkelten Griffen an beiden Seiten und eingelassenen Bernsteinen im Deckel, für jeden ehemaligen Inhaber einen. An der Wand dahinter hingen Fotogramme mit goldenen Jahreszahlen, auf denen junge Freigeister in den Ikonographen strahlten. Die Direktorin hatte Recht, jeder dieser Erfinder war ein Aushängeschild der Schule und trug den Geist der heutigen Zeit in die Welt. Es würde nicht leicht sein, einen ebenbürtigen Nachfolger zu bestimmen.

Aus meinem Sachbuchpreis wollte ich etwas gemeinnütziges finanzieren. Zeitgleich postete ein 12jähriges Mädchen in einem Internetforum den Aufruf, man solle doch Geschichten schreiben, die sie ihrer Freundin ins Krankenhaus mitbringen könnte, weil dieser so langweilig sei.

Was für eine großartige Idee! Daraus wurden in Zusammenarbeit die Nimmermärchen geboren. Wir haben eine Ausschreibung gemacht, die eingegangen Geschichten wurde in der Vorweihnachtszeit in Schulen vorgelesen und mit Sternchen bewertet. Die schönsten haben wir in die Anthologie aufgenommen und der Erlös kommt gemeinnützigen Vereinen, zum Beispiel den Clowns für Kinder in Krankenhäusern zugute.

Ich habe auch einen Beitrag verfasst, der den Kindern gut gefiel. Ein ganz klassisches Märchen, das Mut macht.

Mysteria: Nimmermärchen, 12/2012, ISBN-978-1481129220

Eines Abends setzte sich die Mutter an seine Koje, um ihm einen Gutenachtkuss zu geben. Der Junge fragte: »Sind alle Fischer so arm wie wir?« Die Mutter lächelte versonnen, denn sie liebte ihren Sohn für seine klugen Fragen: »Weißt du, dein Großvater war auch schon Fischer. Er fing jeden Tag körbeweise Fische aus dem Meer. Sie wurden auf dem Markt verkauft und brachten viele Taler ein.« Der Junge setzte sich auf und lauschte gespannt.

Bildnachweis (Slider) pixelio.de: Wilhelmine Wulff, berwis, S. Hofschlaeger